Foto: Insa Schüssler | Installation der BioT-Sensoren auf einer landwirtschaftlichen Fläche in Sachsen-Anhalt
Biodiversität messbar machen: DKB, Klim und Hula Earth starten zweites Projektjahr
Biodiversität ist weit mehr als nur ein ökologisches Schlagwort – sie entwickelt sich rasant zu einem zentralen Nachhaltigkeitsfaktor für die moderne Landwirtschaft. Für Banken und Akteure entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette stellt der Erhalt der Artenvielfalt sowohl eine enorme Chance als auch eine Möglichkeit dar, Resilienz zu stärken.
In einer Kooperation zwischen der DKB, Klim und Hula Earth geht das Projekt zur Messung von Biodiversität nun in die zweite Phase, um Theorie in belastbare Daten zu verwandeln.
Warum Biodiversität für die Landwirtschaft essenziell ist
Die Produktivität eines Ökosystems steht in direktem Zusammenhang mit seiner funktionalen Artenvielfalt. Eine hohe Biodiversität sorgt für ökologische Stabilität, was langfristig stabile Erträge und die Langlebigkeit landwirtschaftlicher Betriebe sichern kann.
Bisher scheiterte die gezielte Förderung oft an der Messbarkeit: Während maßnahmenbasierte Anreize (z. B. Blühstreifen anlegen) weit verbreitet sind, fehlen verlässliche Systeme für ergebnisbasierte Vergütungen. Genau hier setzt das gemeinsame Projekt an.
High-Tech im Einsatz: Die Hula BioT-Sensoren
In Brandenburg und Sachsen-Anhalt wird Biodiversität unter Realbedingungen gemessen. Das Herzstück der Analyse bilden die BioT-Sensoren von Hula Earth, die auf den Projektflächen installiert sind:
- Akustisches Monitoring: Die BioT-Sensoren zeichnen Tierstimmen auf. Eine integrierte KI identifiziert Vögel, Säugetiere, Amphibien und Insekten.
- Mikroklima-Daten: Parallel werden Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2-Gehalt und Luftdruck erfasst – wertvolle Daten für das lokale Farm-Management.
- Echtzeit-Übertragung: Alle Informationen werden sofort an die Hula Earth Plattform übermittelt und dort analysiert.
Praxis-Check in Sachsen-Anhalt
Ein zentraler Standort des Projekts befindet sich auf einer landwirtschaftlichen Projektfläche in Sachsen-Anhalt. Auf 20 Hektar wird unter realen Bedingungen untersucht, wie sich unterschiedliche Bewirtschaftungsformen auf die Artenvielfalt auswirken.
Die Fläche ist dafür in drei vergleichbare Teilbereiche gegliedert:
- Referenzfläche: konventionelle Bewirtschaftung
- Insektizidreduktion: gezielt verringerter Einsatz von Insektiziden
- Insektizidverzicht: vollständiger Verzicht zur Förderung von Insekten und Nützlingen
Der Vergleich dieser Bewirtschaftungsformen ermöglicht es, den Einfluss unterschiedlicher Intensitäten auf die Biodiversität zu analysieren.
Das Ziel: Biodiversität als messbarer KPI
Das Projekt verfolgt eine klare Vision für die Zukunft der regenerativen Landwirtschaft:
- Wissenstransfer: Verstehen, welche Anbaupraktiken die Biodiversität tatsächlich fördern.
- KPI-Entwicklung: Etablierung von Biodiversität als messbare Kennzahl für Nachhaltigkeitsberichte und Finanzierungen.
- Anreizsysteme: Den Übergang von pauschalen Maßnahmen zu einer leistungsorientierten Vergütung für Landwirte ermöglichen.
Durch die Kombination aus Agrarfinanzierung (DKB), Expertise für regenerative Landwirtschaft (Klim) und innovativer Messtechnik für Biodiversität (Hula Earth) wird der Grundstein für eine Landwirtschaft gelegt, in der ökologischer Mehrwert auch finanziell belohnt werden kann.