Im Bild: Florian Geiser (Hula Earth), Andreas Einig (Mast Jägermeister SE), Ludwig Riedesel und Georg König (Kiebitz.Land) sowie Stefan Böske, Bürgermeister der Stadt Enger
Biodiversität als Teil resilienter Lieferketten: Wie Jägermeister mit echten Felddaten Wirkung messbar macht
Für viele Akteure im Lebensmittel- und Getränkesektor war Biodiversität lange Zeit vor allem ein Thema für den Nachhaltigkeitsbericht. Doch immer mehr Akteure gehen neue Wege: Getrieben von spürbaren klimatischen Veränderungen rückt die Gesundheit der Ökosysteme zunehmend in den Fokus des Risikomanagements. Um die Planbarkeit zu sichern und resiliente, lokale Lieferketten aufzubauen, investiert Jägermeister direkt in die Natur vor Ort. Bei Jägermeister findet sie auf dem Feld statt. Der Kräuterlikör besteht aus natürlichen Rohstoffen und damit ist das Unternehmen auf eine intakte Natur angewiesen.Die Gesundheit der Ökosysteme ist damit keine Frage der Werte, sondern eine Variable in der Lieferkette. Eine Antwort auf den drohenden Naturverlust ist die Flächenstilllegung: Produktive Flächen werden aus der Bewirtschaftung genommen, um Ökosysteme zu schützen. Bei 15 Prozent schützt das Ökosysteme, reduziert aber die verfügbare Anbaufläche erheblich und damit die Zukunftsfähigkeit der Lieferkette. Die bessere Antwort ist Integration. Produktive Flächennutzung und Biodiversität müssen sich nicht ausschließen. Dafür braucht es jedoch Daten.
Die Herausforderung: Landwirte sind offen für regenerative Praktiken, aber Beratung fehlt oft
Die Bereitschaft ist da. Viele Landwirte sind offen für regenerative Bewirtschaftungsformen. Was fehlt, ist verlässliche, standortspezifische Orientierung: Welche Maßnahmen wirken wirklich, und wo? Blühstreifen, extensiver Getreideanbau und Habitatflächen werden immer häufiger eingesetzt. Ohne kontinuierliches, standardisiertes Monitoring lässt sich ihre Wirkung jedoch kaum vergleichen, über Zeit verfolgen oder gegenüber Investoren und Stakeholdern belastbar nachweisen. Genau hier setzt Hula Earth an.
Von Felddaten zu konkreten Maßnahmen
Die BioT-Sensoren von Hula Earth wurden auf den Projektflächen installiert, um Bioakustik- und Mikroklimadaten in Echtzeit zu erfassen. Jedes Tiersignal wird direkt auf dem Gerät automatisch durch KI übersetzt und ausgewertet, ohne manuelle Erhebungen, ohne Datenlücken. Die Hula-Plattform integriert Daten auf Betriebs- und Landschaftsebene. Eine Maßnahme, die auf einer Teilfläche funktioniert, kann sich im Landschaftskontext ganz anders darstellen. Erst wer beide Ebenen versteht, kann Monitoring in Strategie übersetzen.
Was die Daten zeigen
Auf einer der Monitoringflächen wurden in einer einzigen Frühjahrssaison 57 Vogelarten und mehr als 12.700 Einzelnachweise erfasst. Die Aktivitätsniveaus lagen dabei rund sechsmal höher als auf vergleichbaren Referenzflächen in der Nähe. Vögel sind zuverlässige Zeigerindikatoren für die Gesundheit eines Ökosystems. Ihr Vorkommen signalisiert intakte Lebensräume, aktive Insektenpopulationen und Bewirtschaftungsmaßnahmen, die greifen. Steigt die Vogelartenvielfalt, spiegelt das die Gesundheit des gesamten Ökosystems wider, von Bodenorganismen über Bestäuber bis hin zu Pflanzengemeinschaften. Für Jägermeister war das nicht nur ermutigend. Es war der Nachweis, der den Schritt vom Pilotprojekt zur langfristigen Zusammenarbeit möglich gemacht hat.
"Es wurde schnell klar, wie komplex das Thema ist, und wie wichtig Zusammenarbeit ist, um Ideen in tragfähige Lösungen zu verwandeln."
Mast-Jägermeister SE
Warum kontinuierliches Monitoring den Unterschied macht
Eine starke Datensaison ist ein vielversprechender Anfang. Was Lieferkettenresilienz aufbaut, ist der Trend über Zeit. Die Sensoren von Hula Earth laufen autonom, solarbetrieben und wartungsfrei, das ganze Jahr über. Auf Basis der gesammelten Daten generiert die Plattform regelmäßig konkrete Handlungsempfehlungen: Welche Maßnahmen lassen sich ausweiten? Wo besteht Handlungsbedarf? Wie entwickeln sich verschiedene Bewirtschaftungsformen im Vergleich? Das entspricht einer kontinuierlichen Beratung durch einen Biologen, der die Fläche nie verlässt. Jägermeister kann damit messen, wie sich die Artenvielfalt durch bestimmte Maßnahmen verändert, Flächen miteinander vergleichen und eine Datenbasis aufbauen, die sowohl das Flächenmanagement als auch die Nachhaltigkeitsberichterstattung informiert.
Das Optimum zwischen Stilllegung und Produktivfläche finden
Ziel ist es, das Optimum zwischen Flächenstilllegung und produktiver Bewirtschaftung zu finden. Auf Betriebs- wie auf Landschaftsebene zeigt datengetriebenes Management, wo naturverträgliche Praktiken den größten Effekt erzielen und den geringsten Zielkonflikt erzeugen. So lässt sich der Anteil stillgelegter Flächen reduzieren, ohne die Artenvielfalt zu gefährden.
Biodiversität als KPI, nicht als Wert
Was dieses Projekt über die Feldergebnisse hinaus bedeutsam macht, ist die Haltung dahinter. Jägermeister betrachtet Biodiversität als wichtigen Indikator für die langfristige Stabilität seiner Beschaffungsregionen und die Zukunftsfähigkeit seiner landwirtschaftlichen Partnerschaften. Dieser Wandel, von Biodiversität als Absichtserklärung hin zu Biodiversität als messbarem KPI, ist das, was der Lebensmittel- und Agrarsektor braucht. Und genau das ermöglicht Hula Earth.